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Powern-Lexikon

Wir sind eine Band, die nicht nur gehört, sondern auch verstanden werden will. Aus diesem Grund erklären wir mittels eigenem Lexikon Begriffe, welche oft nicht mehr verwendet und deshalb auch nicht mehr verstanden werden.

Bschütti

Bschütti (w) (vgl. den Song “Bschütti”): Das hochdeutsche Wort dafür ist Jauche und meint eine abgestandene, stinkende Brühe. Keine Spur davon im Berndeutschen! Hier leitet sich die Bezeichnung diskret vom Verb “schütten” ab (“Bschütti” als das, was ausgeschüttet wird), die Beschaffenheit des Düngemittels wird taktvoll verschwiegen. Es handelt sich schliesslich um nichts Minderwertiges, sondern um ehrlichen Dreck. In früheren Zeiten wurde der Mist auf dem Miststock sogar kunstvoll geschichtet, so dass ein ornamentartiges (“gezöpfeltes”) Gefüge entstand. Chris von Rohrs Ruf nach “meh Dräck” wurzelt also, wie so vieles, direkt in der Landwirtschaft.

Chrume

Chrume (w) bezeichnet eine Wegbiegung oder eine Kurve. Berndeutsch kümmert sich nicht um Objektivität. Wie etwas auf einer Landkarte oder auf dem Reissbrett aussieht, wie man es technisch beschreiben würde, interessiert uns wenig. Tatsache ist, dass ein Weg manchmal einfach krumm ist, und wer sich scheut, das so unverblümt zu sagen, täuscht sich selbst und andere dazu. Wenn eine Käserei geschlossen werden muss, ist das nicht nur eine Strukturveränderung, nicht bloss ein notwendiger Richtungswechsel, nicht einfach eine Kurve, die man kriegen muss – sondern dann ist etwas krumm gelaufen. Darum ist eine Chrume gar kein schlechter Ort (und auch kein schlechtes Wort), um die stillgelegte Käsi zu beobachten und sich zu fragen, was hier eigentlich passiert ist. Stellt man sich dem Krummen, lässt es sich vielleicht wieder gerade biegen. Oder man kann dann wenigstens versuchen, auf den krummen Zeilen des Lebens gerade zu schreiben resp. in der Chrume selbst gerade zu bleiben.

Chüejer-Mutz

Chüejer-Mutz (m) ist der berndeutsche Name für die "Kutte" der oberländischen Sennentracht. Wir Bauern, Sennen und anderen einfachen Gemüter schämen uns nicht, wenn man uns am Stallgeruch erkennt - im Gegenteil! Der "Chüejer-Mutz" ist aus einem guten warmen Stoff gemacht und kurz geschnitten. Er muss schliesslich auch nicht am ganzen Körper warm geben, sondern lediglich dem Herzen. Dort ist es nötig, in einer kalten Welt, wo so mancher "mutz" reagiertz, wenn es um Gefühle geht. Wer Herzenswärme hat, ist reich - egal, wie hoch sein Kontostand ist. Reich genug, dass er zu sich selbst stehen kann, reich genug, dass er etwas davon weitergeben kann, reich wie ein König. Der König mit dem "Chüejer-Mutz".

Dorfwäse

Dorfwäse (s) Ein gesundes Dort zeichnet sich durch ein grosses Ganzes aus, das im Kleinen überall spürbar wird. Ein gesundes Dorf hat einen Charakter, ein Wesen, dem man dort begegnet, wo sich seine Bewohner treffen. Hebt man die Lokalitäten auf, wo "das Dorf" zusammen kommt, verliert die Ortschaft ihre Seele. Wer nie etwas davon erfahren hat, kann das freilich kaum verstehen und wird diesem Dorfgeist auch nicht nachtrauern. Kein Zufall, dass z.B. keiner das "Stadtwesen" vermisst. Wie sollte man auch... das Wort gibt es ja eh' nicht (mehr). Was es nicht gibt, fehlt auch keinem. Wir werden es vielleicht noch erleben, dass selbst Worte wie "Freundschaft", "Vertrauen" und "Menschlichkeit" langsam verschwinden. Weil die Orte fehlen, wo sie ihre Bedeutung entfalten können. Bevor wir gänzlich vergessen, was wir mit dem "Dorfwesen" meinen, kämpfen wir mit dem Song Chäserei dagegen, dass das Wort aus dem Sprachgebrauch verschwindet.

glaarig

glaarig (adj.) (vgl. den Song “Chäserei”): In einem Interview sprach uns die Moderatorin auf das Wort an, das ihr als Bündnerin unbekannt war. Glaarig bezeichnet im Berndeutschen etwas, das unnatürlich klar leuchtet. Wer von Bern kommt, weiss, dass nicht alles echt ist, was glänzt. Es gibt Gesichter, Lichtverhältnisse und Stimmungen, die einfach zu schön sind, um wahr zu sein: Neue BundesrätInnen, die weisse Sonne, wenn eine Gewitterfront aufreisst, oder eben der Mond, der fast schon gespenstisch schön eine stillgelegte Käserei beleuchtet. Der glaarige Schein ist jeweils nur von kurzer Dauer, seine Fortsetzung sind parlamentarische Untersuchungskommissionen, Donnerschläge und kaputte Milchpreise. Immer.

gleitig

gleitig (adv.) bedeutet "schnell" "rasch". Nur lassen sich Berner bekanntlich nicht hetzen. Deshalb schwingt bei vielen berndeutschen Begriffen stets eine feine Bewertung mit, ob es sich nun um eine gute oder um eine schlechte Eile handelt, ob etwas noch mit der nötigen Sorgfalt getan werden kann, oder ob man nur noch auf Zeit spielt. Für letzteres steht beispielweise das Wort "jufle", für das es im Hochdeutschen bezeichnenderweise keine Entsprechung gibt. "Gleitig" hingegen beschreibt eine Beschleunigung, die kontrolliert abläuft und eben gerade deshalb nicht entgleitet. Alles fügt sich zügig zusammen, ohne dass die Qualität leidet, und ohne dass Menschen ausbrennen. Diese Sorgfalt sorgt dafür, dass dann eben auch die Sorgen "gleitig" gezählt sind (vgl. den Song "Aabelied"). So leitet einem die Mundart durch blosse sprachliche Nuancen zu jenem nachhaltigen Lebensstil, den man neuerdings als grosse Entdeckung feiert.

moffle

moffle (Verb) (vgl. den Song "Söili") meint: leise vor sich herschimpfen. Wer mofflet, bewirkt nichts, und weiss das im Grunde sogar selbst – es ist der Protest der Ängstlichen und der Resignierten, denen es im Grunde Wurst ist, was aus ihnen wird. So verstanden kann es heilsam sein, wenn uns jemand darauf hinweist, wenn wir "mofflen". Entweder ist es uns dann mit unserem Ärger so Ernst, dass wir mutiger werden und uns trauen, lautstark zu sein, oder dann hält man eben den Mund und steht dazu, dass es einem doch nicht so wichtig war.

moschte

moschte (Verb) (vgl. den Song "Söili": Das Wort kommt aus der Obstverwertung. Die minderwertigen Früchte, die sich nicht verkaufen lassen, werden zu Most ausgepresst. Wer also mostet, erzeugt Druck. Vorsätzlich und absichtlich. Weil ihm das Mostgut nicht mehr wert ist. Auch Menschen lassen sich mosten, und auch hier geschieht es bewusst: Im Fussballstadion, im Zug oder im Lift ... um zu sehen, was passiert, und wie lange es geht, bis sich einer zu wehren beginnt. Denn wir bleiben trotz Näggi und Beulen Menschen und wohl wert, dass wir anständig behandelt werden. Dafür aber müssen wir uns manchmal wehren – denn im Unterschied zu Äpfeln und Birnen können wir reden, schreiben und singen. Aber nur so lange, wie wir noch Saft haben und uns von den Mostern am längeren Hebel nicht vollständig auspressen lassen.

schmöcke

schmöcke (Verb) (vgl. den Song “Bschütti”: schmöcksch, wie’s stinkt?): Der Berner schmeckt nicht etwa mit der Zunge, sondern mit der Nase. Der Schriftdeutsch-Liebhaber wird das als sprachliche Ungenauigkeit bemängeln, wir hingegen meinen, das Berndeutsche sei hier einfach näher am Leben! Wer schon einmal mit verstopfter Nase essen musste, weiss: Was man nicht riecht, schmeckt auch nach nichts. Punkt.

uschäse

uschäse (Verb) (vgl. den Song “Chäserei”: … hei Gstürm usgchäset): Konflikte sind immer Käse – klar. Sie entstehen, weil der Andere anders ist als ich, und darüber sollte man nicht streiten. Aber manchmal nervt die Unterschiedlichkeit, und dann ist es am besten, die Sache auszukäsen, d.h. sie so lange warm zu halten und umzurühren, bis die Käsekörner vollständig von der Molke geschieden sind. Das braucht Zeit und Arbeit, doch es lohnt sich. Kann man nämlich erst mal den Frischkäse aus dem Kessel fischen, lässt sich dieser auch weiterverarbeiten. Ausgekäste Konflikte reifen schliesslich zu jenen wertvollen Einsichten heran, die uns gelassen machen, uns Respekt voreinander vermitteln und uns weise werden lassen.