|
Chrume (w) bezeichnet eine Wegbiegung oder eine Kurve. Berndeutsch kümmert sich nicht um Objektivität. Wie etwas auf einer Landkarte oder auf dem Reissbrett aussieht, wie man es technisch beschreiben würde, interessiert uns wenig. Tatsache ist, dass ein Weg manchmal einfach krumm ist, und wer sich scheut, das so unverblümt zu sagen, täuscht sich selbst und andere dazu. Wenn eine Käserei geschlossen werden muss, ist das nicht nur eine Strukturveränderung, nicht bloss ein notwendiger Richtungswechsel, nicht einfach eine Kurve, die man kriegen muss – sondern dann ist etwas krumm gelaufen. Darum ist eine Chrume gar kein schlechter Ort (und auch kein schlechtes Wort), um die stillgelegte Käsi zu beobachten und sich zu fragen, was hier eigentlich passiert ist. Stellt man sich dem Krummen, lässt es sich vielleicht wieder gerade biegen. Oder man kann dann wenigstens versuchen, auf den krummen Zeilen des Lebens gerade zu schreiben resp. in der Chrume selbst gerade zu bleiben.
|