Ungerwägs

Unsere Freunde

Schweizer Armee – weil das Land sie braucht?! Folge 2

Ein Ansturm von Begeisterung überkam mich, als ich im Kino sass, um mir den damals brandneuen Bond-Film “Quantum of Solace” zu Gemüte zu führen. Ich würde lügen, behauptete ich, dass ich mir nach dem Streifen nicht überlegt hätte, wie es wohl wäre, selber Geheimagent zu sein… Was ich damals nicht wusste; die gute alte Schweizer Armee sollte mir den heimlichen Traum einer Tätigkeit bei einem Geheimdienst schon bald erfüllen.

 

Etwas weniger gross als im Kinosessel waren die Begeisterungsanstürme, als ich eines Tages einen Marschbefehl in meinem Briefkasten vorfand. Mein Quantum Trost in dieser Angelegenheit war allerdings die Gewissheit, vor Kurzem vom Feld ins Büro umgeteilt worden zu sein – so erwartete mich, so hoffte ich, einen nicht allzu anstrengenden Dienst.

Beim Studium des eben erhaltenen Dokuments traute ich meinen Augen kaum – war ich doch tatsächlich beim Militärischen Nachrichtendienst, also sozusagen beim “Geheimdienst” der Schweizer Armee eingeteilt! Ich, der gewöhnliche Soldat! Nun begann ich, mir in den buntesten Farben auszumalen, wie sich wohl mein Aufgabenbereich darstellen würde. ( Zugegebenermassen vergass ich dabei offensichtlich die angesprochene Umteilung): “Sdt. Minder, in Leibyen (Name von der Redaktion geändert) werden zwei Geiseln festgehalten. Begeben Sie sich in dieses Gebiet, um wichtige Informationen zu den Geiselnehmern zu beschaffen.” Ja, ich war bereit, bereit, unserem Vaterland zu dienen.

Oberstleutnant Bulmache (NvdRg) und sein Empfangs-Vortrag vermochten meine phantasievollen Vorstellungen (noch) nicht zu zerschlagen. Mehrmals betonte er, wie wichtig mein Job sei und welch hohe Diskretion von mir erwartet würde. Nachfolgender Auszug aus meinem Tagesbefehl verdeutlicht allerdings, weshalb ich mit dem Erhalt desjenigen jäh auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurde:

  • Post bringen
  • Post holen und verteilen
  • Raum für Sitzung vorbereiten (schon anspruchsvoller…)
  • Papier Kopierer und Fax fühlen (Ja, Oberstlt Bulmache stammt aus der Romandie und ja, das Papier fühlt sich gut an…)
  • Scannen von “wichtigen” Armee-Magazinen (gefühlte 10’497 Stk. / Tag)
  • Wasser im UG holen
  • Früchte einkaufen, 2 KG Äpfeln (Auch hier drückt der Romand durch. Okay – die Fälle sind auch kompliziert)

Zum Abschluss noch ein Wort zum Nachrichtendienst als Solches: Was die Jungs hier genau machen, habe ich bis heute nicht herausgefunden – dies halten sie geschickt geheim…

Zum definitiven Abschluss möchte ich rechtfertigen, weshalb an dieser Stelle darauf verzichtet wird, die im Titel gestellte Frage explizit zu beantworten. Die Schweizer Powern hüten sich, politische Aussagen zu tätigen – zumindest auf den Zeilen.

 

Kommentare  

 
+1 #1 Urs 2011-02-09 20:15
Ihr die Schweizer Powern steht doch für unsere Tradition. Auch die Schweizer Miliz-Armee gehört zu unserer Tradition und ist immer noch tief verankert.

Wie stehen die Schweizer Powern zu diesem Konflikt zwischen Tradition und dem sinnvollen Einsatz einer Armee in der Schweiz?
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0 #2 Mänggu 2011-02-16 18:35
Urs, zuerst danken wir Dir für Deinen interessanten Beitrag. In der Tat eine gute Frage, die Du uns stellst. Sie ist die logische Konsequenz auf unseren Blog – da wir sie uns ja mit dem Titel des Blogs bereits selber gestellt, aber noch nicht beantwortet haben. Nun, wie wir im Text schreiben, werden wir uns hüten, uns zu stark aufs Politisieren zu konzentrieren. Wir sind uns aber bewusst, dass wir mit unseren beiden Armee-Blogs bereits mächtig politisches Parkett betreten haben. Deshalb möchten (können) wir uns jetzt auch nicht um eine Antwort drücken.

Wenn Du sagst, dass zwischen Tradition und dem sinnvollen Einsatz einer Schweizer Armee ein Konflikt besteht, teilst Du die Meinung wahrscheinlich mit so Manchem / Mancher in unserem Lande. Man liegt wohl nicht komplett daneben, wenn man behauptet, dass die Schweizer Armee, zumindest in unseren Breitengraden, noch immer stark von der Ära Guisan geprägt ist. Deshalb stimmt es wahrscheinlich auch, dass sie immer noch tief in der Gesellschaft verankert ist. Fakt ist aber auch, dass sich die Zeiten zweifelsohne geändert haben. Nur wenige Arbeitgeber zeigen heute noch Freude, wenn ein möglicher Arbeitnehmer im Militär einen Offiziersgrad besitzt – früher war dies wohl anders. Damals sprach dies für den Bewerber – offensichtlich hatte er Führungsqualitä ten und zudem sicherlich ausreichend Lebenserfahrung . Heute kann man es sich fast nicht mehr leisten, mehrere Wochen im Jahr auf einen teuren Mitarbeiter zu verzichten. Weiter werden Kritiker sagen, dass die Armee lediglich eine Geldvernichtung sanstalt sei, worauf Armeebefürworte r antworten werden, dass durch die Armee schliesslich unzählige Arbeitsplätze geschaffen und erhalten werden können.

Schon stehen wir mitten in einer Debatte, welche nicht mit einer Antwort auf einen Blog-Kommentar gelöst werden kann. Deshalb gilt es, aus der bestehenden Situation das Beste zu machen. Das ist übrigens auch eine Tugend, welche es aus Sicht der Schweizer Powern zu bewahren gilt. Und deshalb leiste ich momentan meinen Dienst.

Merci
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