| Die Kunst, Kunst als Kunst zu erkennen |
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Neulich im Zug von Basel nach Olten. Er, vollbärtig, lange zusammengeknotete Haare, riesiger Ohrstecker, Ray-Ban Brille, Freitagtasche, selbsternannter Öko-Sozi-Fritze und medienwirksamer AKW-Gegne Die Quintessenz ihrer Diskussion: Als Kunst gelten alle Gegenstände, die in einem Raum für Kunst (Museum, Gallerie etc.) zu finden sind. Ein normaler Apfel (ich zitiere Öko-Fritz) im Kunstmuseum ist demnach Kunst, ebenso stinknormale Pantoffeln/Finken (nicht die Vögel) in der Fondation Beyeler (auch so ein Kunstschuppen). D.h. die Hülle oder Maske (man erinnere sich an einen früheren Blog der Schweizer Powern) oder die Umgebung entscheidet über den Charakter, das Wesen eines (Kunst)Gegenstandes. Ausser Provokation ermöglicht diese Definition von Kunst dem Künstler keine Motivationsmöglichkeiten überhaupt künstlerisch tätig zu sein. Es dreht sich weniger um den Inhalt als um die Inszenierung. Kürzlich habe ich als begeisterter Krimileser (Ich bin mit TKKG und den drei ??? gross geworden) „Die Justiz“ von Friedrich Dürrenmatt gelesen. Die Story ist im Rahmen dieses Blogs für einmal zweitranging (das Buch ist aber durchaus empfehlenswert), interessant ist die Motivation Dürrenmatts, überhaupt zu schreiben. Man merkt jeder Seite seiner Romane an (so mancher Schüler wurde mit „Der Richter und sein Henker“ durch seine Schulzeit geplagt), dass der Autor nicht einfach unterhalten will. Nein, Der Autor hat das Bedürfnis, etwas weiter zu geben, Normen und Verhaltensweisen zu hinterfragen und wo nötig aufzurütteln und zugegeben auch etwas zu provozieren. Wohlfühlromane (früher als Groschenromane bezeichnet) gibt es zu Hauf, besonders Erfolgreiche und Kitischige werden dann oftmals verfilmt (Zugegeben: Auch ich gönn mir ab und zu einen „Rosamunde Pilcher“). Doch fehlt diesen Büchern oftmals die Seele, das gewisse Etwas zwischen den Zeilen. Sie mögen zwar spannend sein und gemäss oben genannter Definition als Kunst gelten (es ist ja ein Buch und Bücher sind nun mal Kunstgegenstände), nachhaltig verändern vermögen sie aber häufig nicht (bei übermässigem Konsum können allerdings Schäden entstehen...). Wir Schweizer Powern machen auch Kunst. Wir machen Mundartrockmusik, aber auch nicht nur zur Unterhaltung. Wir vermitteln unsere Geschichten oftmals auch zwischen den Zeilen, mehrmaliges Zuhören lohnt sich. Was uns wichtig ist, haben wir in zahlreichen Blogs ausführlich diskutiert. Entscheidend ist höchstens, ob wir uns auf diese Art von Kunst einlassen wollen oder lieber bloss ein wenig an der Oberfläche kratzen und uns berieseln lassen von „Wohlfühl“-Kunst und „Gute-Laune“-Unterhaltung. Diese Frage stellt sich einer Wohlfahrtsgesellschaft, wie wir sie in der Schweiz haben, nicht bloss die Kunst betreffend. Wir können uns täglich entscheiden, Herausforderungen anzunehmen oder den Weg des geringsten Widerstandes zu wählen. Ersteres ist auf jeden Fall spannender. |



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