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Unsere Freunde

Rückblick auf einen "Frei-Tag"

Ich bin in Bloglaune. Während sich andere, sie dürften in der Überzahl sein, an diesem zusätzlichen Frei-Tag in die mehr oder minder prominente Karfreitagssonne stürzen, zieht es mich – ja, ich schämebichsel mich dafür - an den Computer. Draussen, wo man hinschaut, überall das selbe Bild: Schirme, Sonnenschirme, um genau zu sein. Drinnen, ebenfalls – einfach ohne Doppelpunkt und zusammengeschrieben, und singulär.

Peter Bichsel hat Schuld. Der eigenartige Schweizer Schriftsteller (und das meine ich vollends positiv) hat mich, eines Dokumentarfilms wegen in einem hôtel parisienne sitzend und eine gleichnamige Zigarette rauchend dazu ermuntert, ein paar Zeilen zu schreiben. Er ist eben auch einer von dieser Sorte - einer vom Nebengeleise. Einer, der sich vom Schweizer Fernsehen nach Paris begleiten lässt, um sich die meiste Zeit im zollarmen Hotelfernseher Etappe um Etappe der Tour de France zu Gemüte zu führen. (Ich werde das Gefühl nicht los, dass sich die SF-Redaktion die Reise vielleicht etwas anders vorgestellt hat. Mehr Stadt, weniger Hotelzimmer. Mehr Sehenswürdigkeiten, welche der Doku mehr Sehenswürdigkeit hätten einhauchen können. Bichsel hauchte auch - vor allem Zigarettenrauch...) Nur einer vom Nebengeleise findet, dass die Liebe asozial sei. Nur ein Aussenseiter regt sich darüber auf, dass man – er inklusive – patriotisch ergriffen ist, wenn Fabian Cancellara am Bildschirm ein Siegerinterview gibt. Wie naiv müsse man sein, um zu glauben, dass man mit einem fremden Menschen aufgrund einer Staatszugehörigkeit mehr oder weniger verbunden sei, so Bichsel.

Lieber Herr Bichsel. Bei aller Bewunderung und Respekt, welche ich seit diesen gut dreissig Minuten Filmerlebins der besonderen Art für Sie hege (ich werde mir sogleich Ihre Bücher zukommen lassen - per Bildschirm, versteht sich) - lassen Sie sich von einem Gleichgesinnten, einem Nebengeleisler, etwas sagen: Die in Ihrem Cancellara-Beispiel geschilderten Gefühle nennt man gelegentlich auch „Emotionen“. Es soll Theorien geben, welche besagen, dass ebendiese Emotionen dem menschlichen Dasein einen gewissen Wert verleihen. Ohne Emotionen hätten Sie, Herr Bichsel, wahrscheinlich kein einziges Buch geschrieben, geschweige denn verkauft. Ohne Emotionen hätten wir, die Schweizer Powern, keine Existenzberechtigung – Musik würde es nämlich gar nicht geben – Musik ist Emotion.

Meine Bloglaune (Launen sind auch Emotionen) hat sich nun definitiv verabschiedet. Ich werde mir überlegen, eine emotionale Bindung mit einem Sonnenschirm einzugehen.


 

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